Auflaufeinrichtung mit Kupplungskopf am Zugrohr eines Anhängers
Bild: Fahrzeugnachlese

Anhängertechnik

Teil von Anhängertechnik im Einsatz: Bremsen, Beleuchtung und Kupplungen prüfen

Anhängertechnik im Vergleich: Auflaufbremse oder Auflaufeinrichtung

Auflaufbremse oder Auflaufeinrichtung im Vergleich: Kosten, Wartungsaufwand, Prüfintervalle, Typen von Al-Ko bis Winterhoff und die Grenzen bis 8 t.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Auflaufbremse und Auflaufeinrichtung sind nicht dasselbeDie Bremse ist das System, die Einrichtung der Kupplungskopf am Zugrohr.
  • Ein Ersatzkopf liegt in der Beispielrechnung bei 350 Euro netto, das komplette System bei 840 Euro netto.
  • Auflaufbremsen enden bei 8 t zulässiger Gesamtmasse, darüber übernimmt die Druckluftbremse.
  • Ansprechschwelle, Auflaufweg und Dämpfungskraft entscheiden über das Bremsverhalten und stehen in der Bauartgenehmigung.
  • Al-Ko, Knott, BPW und Winterhoff liefern Radbremsen und Auflaufeinrichtungen als abgestimmte Typreihen.

Was Auflaufbremse und Auflaufeinrichtung unterscheiden

Die Auflaufbremse ist das gesamte Bremssystem eines gezogenen Anhängers. Sie umfasst die Auflaufeinrichtung am Zugrohr, die Übertragung mit Gestänge oder Seilzügen und die Radbremsen in den Trommeln. Die Auflaufeinrichtung ist darin ein einzelnes Bauteil: Kupplungskopf, Dämpfer und Rückfahrautomatik.

Beim Verzögern schiebt der Anhänger auf das Zugfahrzeug. Das Zugrohr fährt in die Auflaufeinrichtung ein und zieht über Hebel und Seile die Radbremsen an. Die Bauartgenehmigung dokumentiert dafür Messwerte: Ansprechschwelle, Auflaufweg, Dämpfungskraft und erreichbare Bremskraft.

Für die Beschaffung ist die Trennung wichtig, weil beide Positionen getrennt ausgeschrieben werden. Ein Ersatzkopf ist schnell bestellt. Eine Instandsetzung der Auflaufbremse erfasst zusätzlich Seile, Gestänge und Radbremsen. Teile verschiedener Hersteller lassen sich nicht mischen, weil Übersetzung und Ansprechschwelle auf die jeweilige Radbremse abgestimmt sind.

Der Straßengüterverkehr trägt den größten Teil des Transportaufkommens in Deutschland. Zahlen dazu führt das Statistische Bundesamt im Bereich Güterverkehr.

Vergleichskriterien für die Ausschreibung

Die folgende Gegenüberstellung trennt die Positionen, die eine Ausschreibung erfassen muss.

Auflaufeinrichtung vs. komplette Auflaufbremse

Nur Auflaufeinrichtung

Ersatzteile
Kupplungskopf, Dämpfer, Gummilager
Teilepreis netto
300 bis 400 Euro
Arbeitszeit
1 bis 2 Stunden
Prüfaufwand
Sichtprüfung, Gängigkeit, Spiel
Wirkung
stellt Ansprechen wieder her

Komplette Auflaufbremse

Ersatzteile
zusätzlich Seilzüge, Gestänge, Bremsbacken
Teilepreis netto
600 bis 800 Euro
Arbeitszeit
3 bis 5 Stunden
Prüfaufwand
Bremsenprüfstand, Nachstellen, Probefahrt
Wirkung
erneuert gesamte Bremskette

Nur Auflaufeinrichtung

Ersatzteile
Kupplungskopf, Dämpfer, Gummilager
Teilepreis, Beispielwerte netto
300 bis 400 Euro
Arbeitszeit
1 bis 2 Stunden
Prüfaufwand
Sichtprüfung, Gängigkeit, Spiel
Wirkung
stellt das Ansprechen wieder her

Komplette Auflaufbremse

Ersatzteile
zusätzlich Seilzüge, Gestänge, Bremsbacken, Trommeln
Teilepreis, Beispielwerte netto
600 bis 800 Euro
Arbeitszeit
3 bis 5 Stunden
Prüfaufwand
Bremsenprüfstand, Nachstellen, Probefahrt
Wirkung
erneuert die gesamte Bremskette

Die Beträge sind angenommene Beispielwerte und keine Angebotspreise. Entscheidend ist, welche Bauteile der Prüfer bei der Hauptuntersuchung beanstandet. Eine Ausschreibung sollte beide Positionen getrennt ausweisen, damit die Angebote vergleichbar bleiben.

Beispielrechnung: Einzelteil oder Gesamtsystem

Angenommen, ein Tandem-Anhänger mit 2.000 kg zulässiger Gesamtmasse fällt wegen verschlissener Radbremsen durch die Hauptuntersuchung. Angesetzt sind 350 Euro für eine neue Auflaufeinrichtung, 250 Euro für Bremsbacken und Seilzüge, 180 Euro Arbeitslohn und 60 Euro Nachprüfungsgebühr. Die Summe liegt bei 840 Euro netto.

Fällt nur der festsitzende Kupplungskopf an, stehen 350 Euro für das Teil und 90 Euro Lohn im Angebot, zusammen 440 Euro netto. Alle Beträge sind angenommene Beispielwerte ohne MwSt. und keine Angebotspreise.

Auflaufbremse gegen Druckluftbremse

Nach der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung sind Auflaufbremsen bis 8 t zulässiger Gesamtmasse zugelassen. Schwerere Anhänger brauchen eine Druckluftbremse.

Auflaufbremse

Zulässige Gesamtmasse
bis 8 t
Bremskraftquelle
Zugkraft des Anhängers
Dosierung
über Ansprechschwelle, wenig fein
Dauerbremsen am Gefälle
belastet die mechanische Übertragung
Rangieren
Rückfahrautomatik nötig
Anschaffung
niedrig

Druckluftbremse

Zulässige Gesamtmasse
über 8 t
Bremskraftquelle
Druckluft vom Zugfahrzeug
Dosierung
stufenlos über Ventile
Dauerbremsen am Gefälle
verteilt die Last in der Anlage
Rangieren
geringerer Aufwand
Anschaffung
Zweileitungsanlage, höher

Die Auflaufbremse gewinnt ihre Bremskraft aus dem Auflaufen des Anhängers und arbeitet rein mechanisch. Sie kann die Verzögerung nicht so fein halten wie eine Druckluftanlage. Für Baustellenverkehr mit häufigem Rangieren und für lange Gefällestrecken sind Fahrzeuge mit Druckluftbremse üblich.

Die Druckluftanlage arbeitet mit zwei Leitungen, einer Vorratsleitung und einer Bremsleitung. Der Anhänger führt eigene Vorratsbehälter mit. Das erhöht Anschaffungspreis und Wartungsaufwand, entlastet aber die Deichsel.

Wartung, Prüfintervalle und Typen

Auflaufbremsen verschleißen, weil sie mechanisch arbeiten. Beläge, Trommeln, Seilzüge und die Führung des Zugrohrs sind regelmäßig zu prüfen. Gewerblich genutzte Anhänger kommen jährlich zur Hauptuntersuchung. Auf Werksgeländen gelten zusätzlich die Unfallverhütungsvorschriften, gebündelt in den DGUV-Vorschriften und Regeln.

Wartungscheck für die jährliche Durchsicht:

  • Bremsbeläge und Trommeln auf Dicke und Riefen prüfen.
  • Seilzüge, Umlenkungen und Gestänge auf Leichtgängigkeit prüfen.
  • Auflaufeinrichtung auf Gängigkeit, Risse und Korrosion kontrollieren.
  • Dämpfer und Gummilager auf Setzung und Risse prüfen.
  • Bremsprobe auf dem Prüfstand dokumentieren.

Die Auflaufeinrichtung selbst braucht weniger Pflege als das übrige System. Kritisch sind die Leichtgängigkeit des Zugrohrs, der Zustand von Dämpfer und Gummilager sowie das Spiel in der Kupplung. Ein festsitzendes Zugrohr führt zu verzögerter oder ausbleibender Bremswirkung.

Al-Ko, Knott, BPW und Winterhoff liefern komplette Bremsanlagen und einzelne Auflaufeinrichtungen. Wer Ersatz beschafft, nennt Typnummer, Achslast und Baujahr.

Einsatzgrenzen und rechtliche Vorgaben

Ungebremste Anhänger sind bis 750 kg zulässiger Gesamtmasse möglich. Darüber ist die Auflaufbremse der Regelfall, oberhalb von 8 t endet ihr Einsatzbereich. Beim Rückwärtsfahren schiebt das Zugrohr ein, deshalb braucht jede Auflaufeinrichtung eine Rückfahrautomatik oder eine Rückfahrsperre.

Auflaufeinrichtungen gibt es für Einzel- und Tandemachsen. Die Auswahl richtet sich nach Achslast, zulässiger Gesamtmasse und der gewünschten Rückfahrautomatik.

Für grenzüberschreitende Transporte gelten zusätzlich die EU-Vorgaben zu Gewichten und Abmessungen. Das Straßenverkehrsgesetz regelt unter anderem die Haftung des Fahrzeughalters, was dokumentierte Bremsenwartung in Fuhrparks begründet.

Häufige Fragen

Ist eine Auflaufeinrichtung dasselbe wie eine Auflaufbremse?

Nein. Die Auflaufbremse ist das Gesamtsystem, die Auflaufeinrichtung dessen vorderes Bauteil am Zugrohr.

Bis zu welcher Gesamtmasse ist eine Auflaufbremse zulässig?

Bis 8 t zulässiger Gesamtmasse. Darüber sind Druckluftbremsen vorgeschrieben.

Was kostet der Austausch einer Auflaufeinrichtung?

In der Beispielrechnung 350 Euro für das Teil und 90 Euro Lohn, zusammen 440 Euro netto. Reale Preise hängen von Achslast und Hersteller ab.

Wann ist eine Druckluftbremse die richtige Wahl?

Bei zulässigen Gesamtmassen über 8 t sowie bei viel Rangierbetrieb und langen Gefällestrecken.

Dürfen auflaufgebremste Anhänger 100 km/h fahren?

Nur mit Tempo-100-Zulassung und passendem Zugfahrzeug. Ohne diese Genehmigung gilt die allgemeine Höchstgeschwindigkeit für Anhänger.

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